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Gendergerechte Sprache - Wie du mit deinen Texten alle Leser*innen ansprichst

Aktualisiert: 5. Okt 2018

Als Texterin weiß ich: Auch wenn Suchmaschinenoptimierung unverzichtbar geworden ist, richtet sich das geschriebene Wort stets an eine menschliche Zielgruppe. Trotzdem werden in den meisten Texten über 50% der Deutschen Bevölkerung nicht berücksichtigt. Aus Unternehmenssicht ist das ein riesiger Fauxpas, denn wir sind schneller dazu bereit Geld für ein Produkt oder eine Dienstleistung auszugeben, wenn wir uns angesprochen fühlen. Höchste Zeit also deine Texte so zu überarbeiten, dass sie all deine Leser*innen ansprechen. In diesem Blogpost zeige ich dir 5 verschiedene Möglichkeiten dazu.





Wenn Alltagssprache diskriminiert


Du hast es sicher schon geahnt: Die 50% von uns, die beim geschriebenen Wort nur selten berücksichtigt werden, sind mehrheitlich Frauen. Das sogenannte "generische Maskulinum", also die seltsame Angewohnheit nur in männlichen Formen zu sprechen, obwohl auch Frauen gemeint sind, ist kein deutsches Phänomen. In Fremdsprachenkursen wie Französisch oder Spanisch lernen wir schon in den ersten Stunden: Eine Gruppe von Frauen wird weiblich angesprochen, eine Gruppe von Männern männlich und eine gemischte Gruppe - ebenfalls männlich.


Beim Festakt zur Verleihung der Bachelorurkunden meines Studiengangs erlebte ich zu diesem Thema eine skurrile Situation: Drei ehemalige Absolventinnen und ein Absolvent erzählten von ihren bisherigen Berufserfahrungen. Als die Moderatorin sich bei den Absolventinnen bedankte (in diesem Wortlaut) ging ein Raunen und Kichern durch das Publikum. Wurde doch tatsächlich der männliche Referent einfach nicht erwähnt! Stattdessen wunderte sich aber niemand, als kurz darauf die Urkunden an die "Studenten" vergeben wurde - obwohl der Studiengang in jedem Jahr zu gut 2/3 von Frauen besucht wird.


Damit du selbst nicht den gleichen Fehler begehst und eine große Gruppe potentieller Kund*innen sprachlich ignorierst, kommen hier 5 Variationen der gendergerechten Sprache:


1. Ausformulierung aller Alternativen


Am einfachsten und am weitesten verbreitet ist das Ausformulieren aller Möglichkeiten. Du kannst also in der Ansprache deines Newsletters schreiben: "Liebe Leserinnen und Leser" oder "Hallo Kuchenliebhaberinnen und -liebhaber". Unangenehm wird es jedoch bei Sätzen mit mehreren Subjektiven, z.B. "Als Patient oder Patientin sollten Sie sich dringend mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin oder Ihrem Apotheker oder Ihrer Apothekerin in Verbindung setzen."


2. Geschlechtsneutrale Subjektive


Dieses Problem der unzähligen Worte kannst du mit genderneutralen Begriffen umgehen. Im universitären Kontext wird z.B. oft von "Studierenden" gesprochen, statt von "Studentinnen und Studenten." Dieses Vorgehen lässt sich auf "Lesende", "Betroffene" oder "Angesprochene" ausdehnen, funktioniert allerdings nicht in jedem Fall. Auch die Anwendung des Singulars ist schwierig, denn es macht durchaus einen Unterschied ob ich "der Studierende" oder "die Studierende" schreibe. Schon ist der Vorteil verflogen.


Kleiner Tipp am Rande: Falls du in deiner Corporate Language nicht vor Anglizismen zurückschreckst, findest du auch in der englischen Sprache galante Auswege: "Fans" oder "Lovers" können jedem Geschlecht zugeordnet werden.


3. Das Binnen-I


Im Schriftbild taucht mittlerweile häufig auch das Binnen-I auf, das die männliche und weibliche Form verbindet. So werden aus "Lehrerinnen und Lehrern" einfach "LehrerInnen". Gleiches kann auch durch einen Unterstrich erzielt werden. Kritiker*innen bemängeln jedoch die Umsetzung, da nicht in jeder femininen Form einfach ein "i" angehängt werden kann. Oder hast du schonmal von ArztInnen gehört?


4. Mischung von generischem Maskulinum und Femininum


Als Protestform entstehen in feministischen Kreisen Texte, die ausschließlich das generische Femininum benutzen, also nur noch Frauen sprachlich erwähnt werden. Es ist eine Reaktion auf den Kommentar, Frauen seien in unserer männlich geprägten Alltagssprache doch "mit gemeint". Lesen wir einen Text, in dem nur die Rede von "Politikerinnen, Geschäftsführerinnen und Wissenschaftlerinnen" ist, fällt uns auf, dass unser Gehirn nicht automatisch auch die Männer "mit meint". Was sagt diese Feststellung über unsere Wertschätzung gegenüber Männern und Frauen aus?


Auch wenn dieses kleine Experiment ganz amüsant ist und unsere Gewohnheiten hinterfragt, kommen wir der sprachlichen Gleichberechtigung und Ansprache aller Leser*innen nicht näher, wenn wir nur noch die Frauen berücksichtigen. Möglich wäre eine Mischung: Abwechselnd werden das generische Maskulinum und das generische Femininum eingesetzt. Dieses Vorgehen (und der Sinn dahinter) sollten jedoch dringend im Voraus angekündigt werden, um Verwirrung bei den Leser*innen zu vermeiden.


5. Der Genderstern


Ich persönlich favorisiere den Genderstern. Das liegt mitunter daran, dass er nicht nur Frauen und Männer sichtbar macht, sondern durch den Stern auch all diejenigen, die sich weder der einen noch der anderen Gruppe zugehörig fühlen. Seit 2017 gibt es laut Bundesverfassungsgericht auch in Deutschland das dritte Geschlecht. Dass sich diese notwendige Neuerung im Alltag noch nicht durchgesetzt hat, zeigt sich bei öffentlichen Toiletten, Umkleidekabinen und in den meisten Fragebögen oder Kontaktformularen. Mit dem Genderstern kannst du selbst zur*zum Vorreiter*in werden und wirklich alle potentiellen Kund*innen ansprechen.


Doch auch hier gibt es leider mindestens ein schwerwiegendes Gegenargument: Der Genderstern lässt sich nicht aussprechen. Überliest man ihn, so wird das Wort weiblich. Macht man eine kleine Sprechpause, wie es auch beim Binnen-I üblich ist, erfordert das Zuhören sehr viel Konzentration. Ist diese Hürde ein Ausschlusskriterium?





Von Pros, Contras und deiner Entscheidung


Wie dir die verschiedenen Möglichkeiten zeigen, ist der Diskurs um eine gendergerechte Sprache aktueller denn je. Doch der Mensch ist ein Gewohnheitstier und weigert sich meist, solche weitreichenden Änderungen widerstandslos anzunehmen. Dazu kommen die vielen Fälle, in denen man nur sehr schwer alle Geschlechter darstellen kann. Was wird zum Beispiel aus zusammengesetzten Worten wie der "Teilnehmerurkunde"? Und wie umgehen wir inhaltlich nötige Wortdopplungen, z.B. "Ein*e jede*r ist seines*ihres Glückes Schmied*in"? Das letzte Wort ist hier wohl noch lange nicht gesprochen.


Als Geschäftsmann oder Geschäftsfrau solltest du es allerdings als Zeichen des Respekts oder der Höflichkeit erachten, in deinen Texten niemanden zu übergehen. Doch gesellschaftlich gesehen geht es um viel mehr: Unsere Sprache kennzeichnet die Grenzen unseres Horizonts. Wenn wir für etwas kein Wort haben, können wir es nicht nennen, darüber reden oder daran denken. Welches Urteil bilden wir uns zum Beispiel über die Finn*innen, die mit "Kalsarikännit" ein eigenes Wort dafür haben, sich in Unterhosen zu betrinken? Oder was sagt es über uns aus, dass wir dem keinen deutschen Begriff entgegensetzen können? Kurzum: Sprache prägt unser Bewusstsein.


Eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie zeigte zum Beispiel, dass Kinder Berufe genau dann als erreichbarer einschätzen, wenn sie in männlicher und weiblicher Form genannt werden. Wir könnten es unseren Töchtern, Enkelinnen und kleinen Schwestern (aber auch deren männlichen Gegenspielern) also viel einfacher machen sich hohe Ziele zu stecken, wenn wir von Ärztinnen und Ärzten, Informatikerinnen und Informatikern oder Politikerinnen und Politikern sprechen würden.


Diese Argumente haben mich überzeugt, die Ansprache in meinen Texten zu überdenken. Wie sieht es bei dir aus? Die beschriebenen 5 Wege für gendergerechte Schreibweisen zeigen dir Auswege aus den meisten kniffligen Wortklaubereien. Probiere es doch gleich mal aus!