5 Tipps für das Schreiben von Hausarbeiten

Aktualisiert: 11. Feb 2019

Du sitzt vor deinem Laptop, das virtuelle, unbeschriebene Blatt vor dir und die senkrechte Linie des Cursors blinkt erwartungsvoll im endlosen Weiß des Bildschirms. Jedes Semester sitzen Studierende vor ihren Haus- oder Abschlussarbeiten und warten auf den Kuss der Muse, auf Inspiration - oder Rat. Das Internet ist zwar voller kluger Tipps, wie du deine wissenschaftliche Arbeit am besten angehst: Schaffe dir einen Überblick, wähle deine Literaturgrundlage gewissenhaft aus, sorge für eine gute Arbeitsatmosphäre ohne Ablenkung. Doch über das Schreiben selbst, den eigentlichen Entstehungsprozess deines Textes, wird nicht viel verraten.


Im heutigen Blogpost werde ich diese Lücke schließen und dir effektive Tipps aus dem Repertoire einer geübten Texterin - und langjährigen Studentin - an die Hand geben.


Tipp 1: Aller Anfang ist schwer



Was im Journalismus die Überschrift ist - der Eyecatcher, der auf den ersten Blick fesseln muss - ist bei der Hausarbeit der magische erste Satz. Und eben dieser ist oft das höchste Hindernis, das dich vom Schreiben abhält. Doch in dieser Gefahr liegt umgekehrt auch eine tolle Chance: Findest du die Worte, die originell zu deinem Thema hinleiten, mit denen du Neugierde wecken und einen Bezug zum Wissen der*des Leser*in herstellen kannst, ist die gedankliche Hürde überwunden und das leere Dokument wird sich schon bald gefüllt haben.


Die meisten meiner eigenen Hausarbeiten begannen mit einem Zitat. Dahinter verbirgt sich der kleine Trick die Worte einer anderen Person zu nutzen, um den eigenen Gedanken Ausdruck zu verleihen, wenn du es gerade nicht schaffst, sie zufriedenstellend zu formulieren. Dabei kann es sich um einen besonders passenden Auszug aus deiner Literaturrecherche oder Quelle handeln, um die Stellungnahme einer*eines Politiker*in oder auch um ein besonders populäres Filmzitat oder Lyrics eines bekannten Songs. Erlaubt ist, was der Kontext des Fachs und der Arbeit zulässt.


Auch das Wörtchen "als" ist eine dankbare Hilfe für den Einstieg ins Thema. Du kannst es mit dem historischen Kontext verknüpfen, in dem du dich im Zuge der Arbeit bewegen wirst. Oder du triffst eine Aussage über die Hauptperson, falls es sich bei deiner Fragestellung um eine*n bestimmte*n Autor*in oder eine Theorie handelt, die von jemandem begründet wurde. Alternativ kannst du auch von dem Moment ausgehen, in dem du zu deinem Thema gefunden hast. In den meisten Fächern solltest du dich selbst allerdings nicht direkt erwähnen. Doch dazu später mehr. Hier kommt eine Auswahl meiner ersten Sätze in Hausarbeiten und Essays, die mit sehr gut oder gut bewertet wurden:


  • Als der Inselstaat Malta im Jahr 2013 die Staatsbürgerschaft als käufliches Gut etablierte, äußerte das EU Parlament umgehend Bedenken. Viviane Reding, ehemalige Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, deklarierte in ihrer Rede unmissverständlich: „Citizenship must not be up for sale!“ (Hausarbeit im Fach Praktische Philosophie zum Thema Migrationsethik: Moralische Vertretbarkeit (ver-)käuflicher Staatsbürgerschaft)

  • „Aber [Frauen] fühlen nicht anders als Männer.“ – Jane Eyre (Hausarbeit im Fach Literaturwissenschaft zum Thema Romanheldinnen im 19. Jahrhundert: Weibliche Angst in den gynozentrischen Romanen Effi Briest und Jane Eyre)

  • „Einst lebten wir auf dem Land, dann in Städten und von jetzt an im Netz.“ Diese Zukunftsvision, die der von Jesse Eisenberg gespielte Marc Zuckerberg im Film „The social network“ postuliert, ist eine realitätsgetreue Stellungnahme zum Zustand unserer modernen Gesellschaft. (Essay im Kurs Zeitungs- und Onlinejournalismus zur Frage nach der Zukunft des Journalismus)

  • Inmitten Roms wurde 400 Jahre nach dem Tod von Beatrice Cenci eine Gedenktafel angebracht: zur Erinnerung an ein Opfer ungerechter Justiz. (Essay im Fach Literaturwissenschaft zum Thema Historische Frauenfiguren als Stoffe in Literatur und Theater)

  • „Ich finde es nicht spannend, Geschichten wiederzukäuen, die jeder sowieso erwartet." – Michael Thalheimer im Gespräch mit Paul Barz für Welt am Sonntag (Hausarbeit im Fach Theaterwissenschaft zu Michael Thalheimers Inszenierung von Schnitzlers Liebelei)

  • Es war eine drastische Wende, die sich in der Literaturtheorie zur Mitte des 20. Jahrhunderts vollzog: … (Essay im Fach Literaturwissenschaft zum Thema Autorschaft: Werkimmanente Interpretationen)


Tipp 2: Der Kreis schließt sich - Einleitung und Schluss als Einheit



Welche Bestandteile in die Einleitung deiner Arbeit gehören, hast du sicher schon oft gehört: Fragestellung, Thesen, Methode, Gliederung, Forschungsstand, Erkenntnisinteresse bzw. Relevanz der Thematik. Diese Punkte lassen sich recht schnell abhaken, vor allem weil die Einleitung höchstens 10% deiner Arbeit ausmachen sollte. Welche Werke der Forschungsliteratur du hier unbedingt erwähnen solltest, kannst du z.B. über Rezensionen herausfinden. Hat eine Monografie z.B. eine kritische Rezension erhalten, solltest du noch einmal überdenken ob bzw. wie du sie einfließen lassen willst. Im geschichtswissenschaftlichen Bereich findest du verlässliche Rezensionen bspw. auf H-Soz-Kult.


Es macht durchaus Sinn die Einleitung zuerst zu schreiben. So hast du ein klares Programm vor dir, auf das du dich zurückbesinnen kannst, wenn du dazu neigst, beim Schreiben vom Thema abzuschweifen. Natürlich kannst du die Einleitung später nochmal überarbeiten, falls sich bei der Erörterung im Hauptteil eine neue Richtung ergeben hat. Dieser Gedanke hilft auch bei Schreibblockaden: Fange einfach an zu tippen, egal wie das Resultat aussieht oder klingt. Niemand außer dir wird diesen ersten Entwurf zu Gesicht bekommen und zum Überarbeiten bleibt dir später noch genug Zeit.


Besonders wichtig ist das Abstimmen von Einleitung und Schluss. Dazu kannst du beide Kapitel ausdrucken und nebeneinander legen oder zum Abgleich beide auf einem geteilten Bildschirm öffnen. Die Fragen, die zu Beginn aufgeworfen werden, müssen sich im letzten Kapitel wiederfinden. Dazu kannst du auch Begrifflichkeiten oder Satzbauten wiederholen, damit der Zusammenhang besonders deutlich wird. Hast du bspw. mit einem Zitat begonnen, kannst du im letzten Satz nochmal darauf Bezug nehmen, um deiner Arbeit einen in sich geschlossenen Rahmen zu verleihen.


Bringe im Fazit oder der Konklusion keine neuen Aspekte mehr an, außer beim Skizzieren eines Ausblicks. Dabei nennst du interessante Fragestellungen, die sich aus deiner Arbeit ergeben haben, die du jedoch nicht bearbeitet hast. So zeigst du wie relevant deine Erarbeitung auf diesem Gebiet ist und welche Perspektiven sich durch sie eröffnen. Der Schluss sollte etwa 5% des Gesamtumfangs deiner Arbeit ausmachen.



Tipp 3: Die Standards des wissenschaftlichen Schreibens



An den meisten Unis gibt es keine generell geltenden Hinweise zum wissenschaftlichen Arbeiten. Sie sind stattdessen abhängig von Fakultäten, Fächern und nicht selten sogar von einzelnen Professor*innen. Daher lautet die erste Regel an dieser Stelle: Wissen ist Macht. Informiere dich auf den Plattformen und Websites deines Lehrstuhls oder der*des Dozent*in, ob ein Leitfaden zum Download bereitsteht. Dieser sichert dir wertvolle Punkte bei Layout, Umfang, Aufbau, Zitierweise und Spezifika wie bspw. gendergerechter Sprache.


Prinzipiell gibt es jedoch einige Hinweise, die ich beim Korrigieren von universitären Arbeiten immer wieder gebe:


Fußnoten sind unverzichtbar für die Belegbarkeit deiner Aussagen. Sie sind jedoch auch eine häufige Fehlerquelle. Nutze daher Zitationsprogramme oder überprüfe mehrmals, ob deine Formalia einheitlich sind. Sehr selten werden übrigens die Möglichkeiten der Fußnoten in ihrer ganzen Vielfalt ausgenutzt: Du kannst dort nicht nur die Quelle deines Zitates angeben, sondern z.B. auch biografische Daten zu erwähnten Personen oder Hinweise zu weiterführender Literatur, zu einer Theorie oder einem historischen Umstand anbringen.


Grundsätzlich solltest du dich mit gängigen Fachbegriffen auseinandersetzen und diese auch selbst verwenden. Lese dich allerdings vorher ein (z.B. mit Hilfe von Lexika), um bspw. in einer Fußnote auf Kontroversen hinzuweisen und um sicherzugehen, dass dieser Begriff keinen Anstoß erregt oder mittlerweile in einem neuen Kontext eingesetzt wird.


Vermeide Satzkonstruktionen mit "man" und erwähne weder dich selbst (im Sinne von "Mir ist aufgefallen") noch deine Leser*innen ("Hier können Sie sehen" oder "Hier sehen wir"). Mit passiven Formulierungen bist du auf der sicheren Seite ("Hierbei fällt auf" / "Hier kann beobachtet werden"). Aber Achtung: Es gibt Fächer, die bei diesem Punkt anderer Meinung sind, z.B. die Anthropologie oder teils auch psychologische Arbeiten, bei denen eigene Beobachtungen aus Stichprobenuntersuchungen festgehalten werden. Informiere dich im Zweifelsfalls bei deinem*deiner Dozent*in, den HiWis, der Fachschaft oder Kommiliton*innen aus höheren Fachsemestern.


Tipp 4: Überzeugend Schreiben - Tipps aus dem Texterinnen-Nähkästchen


Einer meiner Dozenten hat kürzlich offenbart, dass er beim Korrigieren von Arbeiten einen Leitfaden benutzt, anhand dessen Punkte vergeben werden, die schließlich zur Note führen. In diesem System wird Sprache genauso hoch bewertet wie die Materialbasis und deren Auswertung. Mit fehlerfreier Rechtschreibung und Grammatik, dem richtigen Stil und der Zielgruppe im Hinterkopf kannst du demnach richtig punkten.


Daher kommt hier meine persönliche Checkliste, mit der ich fertige Hausarbeiten gegenlese und überarbeite:


  • inhaltslose Füllworte streichen (z.B. doch, überhaupt, sehr, gar, ja, …)

  • mit der Suchfunktion doppelte Leerzeichen aufspüren und entfernen

  • Schachtelsätze vermeiden: alle Sätze über vier Zeilen gegenlesen und ggf. kürzen

  • Fremdworte auf Verständlichkeit prüfen - ggf. erklären / ersetzen / umschreiben

  • Synonyme verwenden (z.B. zeigen, darlegen, beweisen, vermitteln, klarmachen, …)

  • Wortdopplungen eliminieren - außer bei gleichbleibenden Fachbegriffen

  • Einheitlichkeit (z.B. entweder keine oder immer Leerzeichen bei " Wort / Wort")

  • Tautologien streichen (z.B. "im gleichen Moment wird direkt deutlich,..")

  • ausdrucksstarke Worte verwenden (z.B. nicht "ein guter Text" sondern: Was ist gut daran? "viel diskutiert", "bekannt", "ausgezeichnet von / mit", "deutlich", "zielführend", "ergiebig", "logisch strukturiert", "detailliert", ...)


Tipp 5: Nach dem Schreiben ist vor dem Korrigieren



Ich weiß, Studierende hören es nicht gerne und versuchen immer wieder diese Aussage zu widerlegen, aber: Hausarbeiten lassen sich nicht innerhalb einer Woche schreiben. Nicht nur eine repräsentative Literaturauswahl und Recherche machen dieses ambitionierte Vorhaben unmöglich, auch die entscheidenden Korrekturschleifen finden in einem solchen Zeitplan keinen Platz. Dabei können sie durchaus noch die Endnote verbessern!


Eine professionelle, wissenschaftliche Arbeit enthält weder Rechtschreib-, noch Tippfehler. Allerdings ist es ganz normal, dass beim Abändern von Textstellen plötzlich fehlerhafte Strukturen entstehen. Wenn du z.B. beim Überarbeiten ein "ich" herausstreichst und eine andere Person oder eine Passivkonstruktion einsetzt, müssen alle Verben des Satzes angeglichen werden. Gleiches gilt für das Ändern von Zeiten, Satzanfängen oder Konjunktivkonstruktionen. Die Arbeit muss im Anschluss an das Schreiben also noch mindestens einmal komplett gelesen werden - egal wie umfangreich sie ist. Bei Texten, die als Printversion abgegeben werden, solltest auch du ein gedrucktes Exemplar durchlesen. So fallen viele Fehler auf, die das Auge am Bildschirm übersieht.


Im Idealfall lässt du deine fertige Hausarbeit oder Abschlussarbeit noch eine Woche unberührt liegen und liest sie dann noch einmal - mit etwas Abstand - durch. So vermeidest du "Betriebsblindheit", die Studierenden, aber auch Texter*innen unterläuft, wenn man sich lange und intensiv mit einem Thema und bestimmten Formulierungen beschäftigt hat. Dass Fehler entstehen, ist absolut menschlich. Die Frage ist nur, wie du letztlich damit umgehst. Nachlässigkeit führt in solchen Fällen zu einem schlechteren Urteil der*des Korrektor*in.


Vier, sechs oder acht Augen sehen mehr als zwei


Wenn du sichergehen willst, dass deine mühevoll erarbeiteten Texte nicht durch kleine Schönheitsfehler abgewertet werden oder sogar grobe Makel enthalten (auch das kann bei einem müden Geist mal passieren), solltest du dir für das Korrektorat Unterstützung ins Boot holen. Freunde und Familie können dabei eine große Hilfe sein, um zu prüfen, ob die Inhalte von verschiedenen Perspektiven aus verständlich sind. Doch vergiss nicht, dass diese Korrektur Zeit und Arbeit bedeutet und auch Personen die dir nahestehen eigene Terminpläne haben. Gib den Testleser*innen genügend Zeit und bedenke, dass du die Korrekturvorschläge im Anschluss auch noch übernehmen musst.


Ein professionelles Lektorat oder Korrektorat ist zwar etwas kostspieliger als die Family-and-Friends-Variante, verspricht aber auch größere Erfolge durch mehr Erfahrung, Wissen und Struktur. Für den schmalen Geldbeutel von Studierenden biete ich einen 10% Rabatt auf das Lektorat und Korrektorat von universitären Arbeiten an. Schreibe mir gerne eine unverbindliche Mail an info.blocksatz@gmail.com, wenn du nach Unterstützung für die Königsdisziplin unter den Prüfungsleistungen suchst.


Ich wünsche dir viel Erfolg beim Schreiben!

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