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Wahlheimat Saarbrücken

Als ich 2013 frisch nach dem Abitur ins Saarland gezogen bin, habe ich eines schnell gelernt: Die Saarländer*innen fühlen sich wohl in ihrer Heimat, bleiben auch fürs Studium gerne Zuhause und wen es doch mal wegzieht, die*der kommt früher oder später wieder zurück an die Saar. Obwohl mich dieser hier so typische Lokalpatriotismus anfangs zum Schmunzeln brachte, habe ich schon wenige Jahre später gemerkt, dass ich zu einer wirklich guten (Wahl-)Saarländerin geworden bin! Denn nach meinen kurzen Phasen in Berlin und Leipzig bin auch ich letztlich doch wieder in Saarbrücken gelandet. Das Herz schlägt Wurzeln, wo es sich Zuhause fühlt.


Studien der Tourismusforschung haben allerdings gezeigt, dass das Saarland für die meisten Deutschen eine Gegend ohne Gesicht ist: Was es hier gibt oder wofür sich ein Besuch lohnen würde, bleibt den meisten ein Rätsel. Stattdessen hält sich das Vorurteil, man spreche überwiegend Französisch und spätestens Jan Böhmermanns schwache Witze malen ein abschätziges Bild dieses kleinen, aber feinen Bundeslandes. Grund genug, in diesem Blogpost mal die schönen und spannenden Seiten meiner Wahlheimat hervorzuheben. Los geht’s!


1. Sa(ar)voir-vivre


Das Saarland mag vielleicht das jüngste Bundesland Deutschlands sein, Geschichte schreibt es jedoch schon seit vielen Jahrhunderten: Die grenznahe Lage, die heute vor allem für spontane Ausflüge nach Frankreich (ins wunderschöne Elsass oder mit dem Zug in weniger als zwei Stunden nach Paris) genutzt wird, bürdete den „Saarfranzosen“ so einige Umstände auf. Wer hier zu Beginn des 20. Jahrhunderts geboren wurde und den Krieg überlebte, wechselte Zeit seines Lebens ganze vier Mal die Staatsbürgerschaft: „Das Saargebiet“ wurde nach dem Ersten Weltkrieg Frankreich zugesprochen, stimmte 1935 aber für seine Rückkehr „heim ins Reich“. Mit der Niederlage Deutschlands im Zweiten Weltkrieg wurde das Saarland dann nicht wieder an den siegreichen Nachbarn angeschlossen – auch wenn die Franz*ösinnen das Gebiet mehrere Jahre besetzt hielten. Trotz der schrittweisen Abgliederung von Deutschland etablierte sich ab 1948 ein saarländischer Eigenstaat, in dem die „Sarroises“ mit gespaltenen Meinungen nach ihrer eigenen Identität suchten. Im Jahr 1955 fand, wie bereits zwanzig Jahre zuvor, die zweite Saarabstimmung statt, bei der sich die Einwohner*innen erneut dafür entschieden, ein Teil der Bundesrepublik zu sein.


Zu viele historische Fakten? Dann hier nochmal der Grundgedanke im Schnelldurchlauf: Das Saarland hat durchaus einen spürbaren, französischen Einschlag, der sich noch heute in Kultur, Kulinarik und Dialekt offenbart. Trotzdem wurde die Entscheidung für Deutschland hier nicht nur ein-, sondern gleich zweimal bewusst getroffen. Die Saaränder*innen machten sich selbst damit zu einem ereignisreichen Teil der deutschen Vergangenheit.


2. Meine Lieblingsplätze



Einer der größten Vorteile an kleinen Städten sind die kurzen Wege. Während in Berlin die Neuköllner*innen ihren Kiez eher selten verlassen und einen Besuch des Prenzlauer Bergs schon fast als Tagesausflug ansehen, ist in Saarbrücken alles fußläufig zu erreichen:


Vom Hauptbahnhof durch die Fußgängerzone zum Mittagessen oder Crémant trinken an den St. Johanner Markt: 15 Minuten.






Vom St. Johanner Markt ins Nauwieser Viertel (wo vor allem Studierende ihre Stammkneipen aufsuchen): 5 Minuten.





Vom St. Johanner Markt ans Staatstheater und damit direkt ans Saarufer: 2 Minuten.





Vom Staatstheater zum Saarbrücker Schloss und dem Historischen Museum (mit einer Dauerausstellung zur saarländischen Geschichte) in Alt-Saarbrücken: 5 Minuten.





Vom Staatstheater entlang der Saar zum Staden (dem Grünstreifen am Fluss, den gefühlt alle Saarbrücker*innen beim ersten Sonnenstrahl des Frühlings direkt aufsuchen): 15 Minuten.





Vom Staden ans Silodom (Treffpunkt der alternativen Szene für ein Getränk am Nachmittag oder durchzechte Technonächte): 15 Minuten.





Noch Fragen? Im Tourismusbüro findest du Unterstützung. Von der Karte für junge Reisende, über die Bio-Fair-Trade-Karte bis hin zum klassischen Stadtplan: Alle Wege führen dich quasi im Kreis zu den gleichen Sehenswürdigkeiten und Empfehlungen.


Und wenn du die touristischen und kulturellen „Leuchttürme“ des Saarlandes erkunden willst, bist du mit dem Zug innerhalb von 20 Minuten beim Weltkulturerbe Völklinger Hütte, wo die industrielle Vergangenheit der Wirtschaftsregion aufgearbeitet und mit einem modernen Kunstmuseum verknüpft wurde. Zum Naturschauspiel Saarschleife solltest du etwas mehr Zeit oder gleich ein Auto mitbringen. Mit Zug, Bus und Fußmarsch brauchst du von Saarbrücken aus etwa 1 ½ bis 2 Stunden (je nach Verbindung), mit dem Auto ca. 50 Minuten.





3. Die Eigenarten des Saarlandes


Wenn du einen Ausflug ins Saarland planst (zum Beispiel auf der Durchreise nach Frankreich), kommen hier meine Tipps für einen reibungslosen Aufenthalt:


Die Saarländer*innen sind ein offenes und herzliches Völkchen. Wenn du allerdings mit mehreren Personen gleichzeitig unterwegs bist, solltest du dich an eine gewisse Lautstärke und Sprech-Geschwindigkeit gewöhnen. Hier merkt man den französischen Einfluss doch recht deutlich. Wenn sich alle gegenseitig ins Wort fallen, du den Gesprächsfaden regelmäßig verlierst und deine Begleiter*innen vergessen, dass sie des Hochdeutschen mächtig sind, ist es ein gelungener Abend.


Nimm dir gerne ein Wochenende Zeit, um die Gastro-Szene in Saarbrücken und der Umgebung zu genießen. Sowohl die aus Frankreich übergesiedelte Haute Cuisine als auch die junge, kreative Küche sind im Saarland heimisch. Dazu gibt es allerlei Spezialitätengeschäfte und Produzent*innen mit Herz, die eigens Hergestelltes aus der Region verkaufen. Das hiesige Motto? „Hauptsach gudd gess“! Starte an warmen Sommertagen am besten am St. Johanner Markt und suche dir von dort aus deinen Favoriten – immer der Nase nach!


Im Saarland entsteht Großes im Kleinen. Denn auf geringer Fläche mit noch geringerer Einwohner*innenzahl liegt es durchaus nahe, dass der ehemalige Arbeitgeber, die Bekannte einer Studienkollegin oder der kurzfristige Mitbewohner der Großcousine gleich nebenan sitzt und selbst wiederum jemanden kennt, der bei Projekt A oder Nachfrage B behilflich sein könnte. Dieses „Netzwerken auf Saarländisch“ schafft perfekte Voraussetzungen für alle Selbstständigen und Gründer*innen.


Wie du den Heimvorteil im Business nutzen kannst, verrate ich dir im nächsten Blogpost.


Vielleicht bis bald, in Saarbrücken!