Von den Kulturwissenschaften zur Texterin

Aktualisiert: 7. Jan 2019

Die wenigsten freiberuflichen Texter*innen haben tatsächlich eine redaktionelle Ausbildung oder gar ein spezifisches Studium abgelegt. Der Schlüssel zum Erfolg ist stattdessen die Praxiserfahrung, aktuelles Wissen, das man sich immer wieder neu aneignen muss und eine Portion Talent zum Erschaffen sprachlicher Bilder und gekonnter Wortakrobatik. In diesem Blogpost erfährst du, wie mir mein Studium dabei hilft.


Bachelor Historisch orientierte Kulturwissenschaften (HoK)


Als ich 2013 - frisch von der Schule und mit großen Erwartungen - mein Studium begonnen habe, lautete die Aussage der Studiengangsleitung: "Mit diesem Studium können Sie später einmal alles machen!" Vielleicht habe ich damals schon geahnt, dass in diesem Versprechen eine kleine Übertreibung steckt, aber es klang vielversprechend und trug einen Hauch der großen Welt voller Möglichkeiten in sich.


In den kommenden zweieinhalb Jahren bestand mein Stundenplan aus

  • vier Kernfächern: Neuere und Neueste Geschichte, Kultur- und Mediengeschichte, Literaturwissenschaft und Religionswissenschaft

  • einigen interdisziplinären Seminaren, die sich auf ein bestimmtes Thema konzentrierten und dieses von verschiedenen Seiten aus beleuchten

  • drei Praxiskursen, die von Kulturschaffenden aus dem Saarland unterrichtet wurden (in meinem Fall: Eventmanagement, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und Museumskunde)

  • Grundlagenfächern wie Kulturpolitik, Kulturfinanzierung, Kulturmarketing und Kulturmanagement

  • dem Nebenfach BWL

Vielleicht fragst du dich, welches Berufsbild aus dieser wilden Kombination entstehen soll - auch mich haben diese Bedenken immer wieder eingeholt. Mein Praktikum habe ich schließlich am Saarländischen Staatstheater absolviert, jedoch nicht im künstlerischen Sinne, sondern nahezu administrativ: Drei Monate habe ich die Abteilung für Marketing, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit unterstützt und dabei Newsletter verfasst, die Website gepflegt, Pressespiegel erstellt und Druckwerk wie monatliche Leporellos oder Jahresbücher lektoriert. Eine lehrreiche Erfahrung, die mir aber zusammen mit meinem damals schon ausgeübten Nebenjob der Freien Texterin gezeigt hat: In meinem späteren Job will ich noch mehr schreiben!



Bachelor Historisch orientierte Kulturwissenschaften mit meinen lieben Kommilitoninnen (ich in der Mitte)

Master Angewandte Kulturwissenschaften (AK)


Nach der Bachelorarbeit zog es mich für mein Master-Studium nach Leipzig, wo ich schnell merkte, dass ich mich

  1. mit dem Master in Kulturwissenschaft ziemlich vertan hatte: Statt toller Ergänzungsfächer und einer neuen, weniger provinziellen Perspektive, fand ich vor allem sehr viel Theorie und noch weniger Struktur, die mir hätte den Weg in eine deutliche Zukunft weisen können.

  2. überhaupt nicht Zuhause fühlte.

Und so bin ich doch wieder in Saarbrücken gelandet, wo ich gerade die letzten Atemzüge meines Masterstudiengangs Angewandte Kulturwissenschaften genieße. Der Aufbau des Studiums ist dem des Bachelor-Äquivalents sehr ähnlich. Den Unterschied bringt jedoch die Zeit mit sich: Da mir mittlerweile besser bewusst ist, wohin ich eigentlich steuern will, habe ich die Wahlfreiheit zwischen den vielen Einzelfächern und Kursen besser genutzt. Im Praxisbereich habe ich mich beispielsweise auf Online- und Zeitungsjournalismus spezialisiert, wo sich auch mein Pflichtpraktikum verorten wird.


Außerdem habe ich mich letztes Jahr dazu entschieden noch ein kleines Zweitstudium zu beginnen: das Zertifikat Gender Studies. Auch hier steht wieder die Interdisziplinarität im Fokus, wenn in Seminaren der Literaturwissenschaft, Anglistik, Geschichte oder Religionswissenschaft Geschlechterkonstruktionen untersucht und unsere als selbstverständlich erscheinende Lebensweise diskutiert wird. Willkommen in meinem Uni-Alltag!



Universität des Saarlandes

Von den Kulturwissenschaften zur Texterin


Bleibt nun nur noch eine letzte, entscheidende Frage offen: Wie hat mir das Studium dabei geholfen eine gute Texterin zu werden?


In geisteswissenschaftlichen Studiengängen kommt es tatsächlich weniger darauf an, welche Inhalte gelehrt wurden, sondern welche Denkweisen und Methoden man sich angeeignet hat. Mir fällt es beispielsweise sehr leicht, mich in neue Themen einzulesen und richtig zu recherchieren. Denn wer als Nicht-Historiker*in die Geschichtsseminare besucht, merkt schnell, was nachgeholt und aufgearbeitet werden muss, um mithalten zu können. Ich betrachte Sachverhalte gerne aus verschiedenen Perspektiven und kann mich leicht auf andere Meinungen und Blickwinkel einlassen - die nie unkritisch einfach hingenommen oder prinzipiell abgelehnt werden.


Und nicht zu vergessen: Ich kann gar nicht mehr zählen wie viele Seiten logisch strukturierter, verständlich argumentierter und interessant gestalteter Texte ich schon geschrieben habe! Denn stupides Auswendiglernen für Klausuren ist in den Kulturwissenschaften nicht gefragt. Stattdessen steht am Ende der meisten Veranstaltungen eine wissenschaftliche Hausarbeit mit eigener Themensetzung, an der man oft verzweifelt (gerade zeitlich), aber immer auch lernt und wächst.


Und so habe ich das Privileg ein Fach zu studieren, das mir Spaß macht, mir die Möglichkeit gibt mich selbst besser kennenzulernen und mich dahin zu entfalten, wo meine Interessen und Stärken liegen. Letztlich wurde mir zwar nicht - wie versprochen - die Welt zu Füßen gelegt, aber doch das richtige Werkzeug an die Hand gegeben, um meiner beruflichen Zukunft gewappnet und optimistisch entgegentreten zu können.

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